Eden

Eden - Eritreerin aus dem Sudan in Wittenbach/SG

Eritreerin aus dem Sudan in Wittenbach/SG

 

“Wegen dem Krieg sind meine Eltern bereits vor meiner Geburt aus Eritrea nach Sudan geflüchtet. Dort bin ich in einfachsten Verhältnissen mit meinen zwei Halbgeschwistern aufgewachsen. Zu fünft lebten wir in einer 1-Zimmer-Wohnung. Meine Mutter war Putzfrau, mein Vater arbeitslos. Meine Muttersprache ist Tigrinya. Im Sudan habe ich aber Arabisch gesprochen.”

“Zuerst ging ich in eine sudanesische Schule. Dort wurde ich schikaniert, weil ich Eritreerin und Christin war. Danach ging ich in eine katholische Schule. Dort hat es mir sehr gut gefallen, weil ich da in Sicherheit war. Nach der Schule habe ich eine 6-monatige Ausbildung in einem Reisebüro gemacht.”

“Im Sudan hat die Polizei immer wieder willkürlich Eritreer festgenommen und nach Eritrea abgeschoben. Mein Stiefvater war Muslim. Bei ihm hatte ich kein gutes Leben. Das wollte ich nicht länger erdulden. Deshalb bin ich durch die Sahara nach Libyen und übers Mittelmehr nach Italien und in die Schweiz geflüchtet. Damals war ich 21 Jahre alt. Ich bin alleine gekommen, ohne Verwandte oder Bekannte. Das war sehr sehr gefährlich, besonders auch für Frauen.”

“Als ich in Italien war, habe ich auf der Strasse geschlafen. Da hatte ich immer Angst. Dann habe ich gehört, dass in der Schweiz niemand auf der Strasse schlafen muss. Deshalb bin ich hierher gekommen. Hier musste ich keine Angst mehr haben. Ich habe Asyl bekommen mit einer B-Bewilligung. Seit 12 Jahren lebe ich nun in St. Gallen und Wittenbach.”

“Hier habe ich auch meinen eritreischen Mann kennen gelernt. Jetzt haben wir zusammen drei Kinder. Mein Mann hat nur eine F-Bewilligung. Das ist ein Erschwernis bei der Arbeitssuche. Er hat schon gearbeitet, jetzt ist er aber arbeitslos.”

“Anfänglich hatte ich das Gefühl, dass die SchweizerInnen Angst haben vor mir. Ich hatte auch Angst vor ihnen. Das war nicht einfach. Dann habe ich die Sprache gelernt. Jetzt vertrauen mir die Leute, aber sich zu integrieren, ist nicht einfach. Jeden Tag lerne ich etwas, aber jeden Tag merke ich auch, dass ich nichts weiss.”

“Die Leute hier sind distanziert. Vielleicht haben sie Angst vor Afrikanern. Es wäre schön, wenn sie nicht so distanziert wären.”

“Ich hatte zuerst einen Job in einer Verpackungsfirma. Später habe ich bei Pro Senectute in der Betreuung gearbeitet. Das war interessant, da ich viel von den alten Menschen lernen konnte. So kann man seine Situation immer weiter verbessern. Aber das braucht viel Zeit und Geduld. Mein Traum ist, dass ich einmal eine Arbeit im Bereich Integration finde.”

“Heimat ist für mich dort, wo ich Sicherheit und eine Zukunft habe. Eritrea ist zwar auch meine Heimat, aber ohne Sicherheit und ohne Zukunft. Hier in der Schweiz habe ich das, hier kann ich leben.”

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notiert von Peter Käser

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