Kristina

Kristina - die Dreiheimische aus Schweden und Deutschland in der Schweiz

aus Schweden und Deutschland in St. Gallen

“Ich habe einen schwedischen Vater und eine Schweizer Mutter, bin in Schweden und Deutschland aufgewachsen, habe einen schwedischen Pass und lebe nun in St. Gallen. Durch meine Eltern bin ich zweisprachig aufgewachsen. Wir haben als fünfköpfige Familie in Stockholm in einer Dreizimmerwohnung gewohnt. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit in der Familie und Schule. Der Unterricht war sehr individuell, jeder wurde nach seinen Möglichkeiten gefördert. Freude hatte ich auch an den Aktivitäten im Rahmen der katholischen Kirche.”

“Als ich acht Jahre alt war, sind wir wegen der Arbeit meines Vaters nach Deutschland ausgewandert. Das war spannend für mich. Verwunderlich war für mich das Schulsystem, in dem die Leistungen und die Noten im Vordergrund standen. Ich absolvierte das Abitur und habe anschliessend Theologie studiert. Nach dem Studium fand ich in Deutschland keine geeignete Stelle als Pastoralassistentin, in der Schweiz aber schon. Deshalb sind mein Mann und ich hierher ausgewandert.”

“Da ich schon oft in der Schweiz war und Deutschland nahe ist, dachte ich, dass zwischen diesen Ländern kaum Unterschiede bestehen. Aber es gibt schon Unterschiede. So sind hier die Kirchenstrukturen ganz anders. Ausserdem erlebe ich die Schweizer sehr pragmatisch. In Deutschland denkt man eher grundsätzlich und prinzipientreu. Die grösste Überraschung war, dass ich spürte, dass mein Schweizer Anteil in mir geweckt wurde. Es war ein Gefühl von ‘nach Hause kommen’.”

“Es war für mich oft eine Frage, wo meine Heimat ist. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich in allen drei Ländern ein Stück zu Hause bin, aber auch ein Stück fremd bin.”

“Hier ist man an meiner schwedischen Herkunft interessiert. Man sieht mich aber wegen der Sprache als Schweizerin und ist jeweils irritiert, wenn ich betone, dass ich eine Ausländerin bin.”

“Was ich an Schweden sehr schätze, ist die Offenheit gegenüber MigrantInnen. Man hat ein grosses Interesse daran, dass die MigrantInnen ein Teil der Gesellschaft werden. Schweden hat generell eine grosse Offenheit gegenüber Veränderungen. Andererseits ist Schweden im Unterschied zur Schweiz sehr bürokratisch.”

“Im Kontakt mit Fremden ist es wichtig, zu erkennen, dass nicht alles so ist, wie man es sich vorstellt. Man sollte die Bereitschaft haben, viel zu fragen und nachzufragen – auf beiden Seiten. So kann man sich besser kennen lernen. Die MigrantInnen sollten schnell Hochdeutsch lernen. So haben sie in Ausbildung und Beruf die besseren Möglichkeiten. Schweizerdeutsch kann später dazu kommen. Die Deutschschweizer sollten aber auch eine grössere Bereitschaft haben, Hochdeutsch zu sprechen. Wichtig ist auch, dass die MigrantInnen ihre Muttersprache weiter pflegen. In Schweden haben sogar auch Secondos Anrecht auf Sprachunterricht in ihrer Muttersprache. Das finde ich gut.”

“Wenn ich selber ins Hochdeutsche wechsle, wechselt auch in mir etwas. Ich spreche dann als Teildeutsche, dann kommt ein anderer Teil von mir in den Vordergrund. Ich bin dann weniger pragmatisch und emotional, dafür grundsätzlicher und intellektueller.”

“Wenn ich in einem Gespräch merke, dass das Bild, das ich mir von diesem Menschen gemacht habe, nicht stimmt, finde ich das immer sehr erfrischend. Dann tritt an die Stelle des Bildes die reale Begegnung.”

“Bei der Integrationsdiskussion schwingt häufig der Anspruch auf Assimilation mit. Das darf aber nicht sein. Auch ich bin nicht assimiliert, ich falle nur nicht auf weil ich Schweizerdeutsch spreche und man meinem schwedischen Pass mehr zutraut als einem aus Irak oder Kamerun. Mir ist es ganz wichtig, mich selbst bleiben zu dürfen und aus allem, was mich geprägt hat, auch schöpfen zu dürfen – dass diese Vielfalt leben darf. Ich glaube, dass dies ein Reichtum ist.”

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notiert von Peter Käser

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