Manal

Manal, Dokumentarfilmerin aus Syrien ist froh, hier in Sicherheit leben zu können. Jetzt sucht sie dringend eine Arbeit.

aus Syrien in Heerbrugg

 

“Vor drei Jahren bin ich aus Syrien in die Schweiz geflüchtet. Ich habe Ökonomie studiert. Dann habe ich im syrischen Fernsehen gearbeitet, zuerst im Bereich Ökonomie, dann als Dokumentarfilmerin. Die letzten zehn Jahre habe ich vor allem Filme über Kinderrechte und Frauenrechte gemacht. Im mittleren Osten haben die Kinder keine Rechte. Für meine Filme habe ich an zehn Festivals Preise gewonnen, vier davon im Ausland, einmal sogar den Amy Award.”

“In Damaskus war eine offene Gesellschaft. Wir hatten auch keine Probleme zwischen den Religionen. Die Religionszugehörigkeit war überhaupt keine Hürde zwischen den Menschen. Auch wir Muslime feierten zum Beispiel an Weihnachten. Der Krieg begann nicht wegen religiösen Problemen, sondern weil wir Freiheit wollten.”

“Jeder weiss, dass es in Syrien keine Freiheit gibt. Das Regime war nicht zufrieden mit meinen Filmen. Dann wurde es gefährlich für mich. Deshalb bin ich 2013 zusammen mit meiner jüngeren Tochter nach Ägypten geflüchtet. Meine Schwester lebte und arbeitete damals schon einige Jahre in der Schweiz und hatte die Möglichkeit, ein Visum für mich und meine Tochter zu machen. Meine ältere Tochter hat damals in Istanbul bei einem Radio gearbeitet. Sie wollte später auch in die Schweiz kommen. Aber für sie erhielten wir kein Visum. So ist sie über das Meer nach Griechenland geflüchtet und ging nach Deutschland. Dort konnte sie bald als Radiomoderatorin arbeiten und war nicht mehr fürsorgeabhängig.”

“Wir sind glücklich hier in der Schweiz in Sicherheit und Frieden leben zu können und hier vielen netten Menschen begegnet zu sein. Mein Problem ist aber, eine Arbeit zu finden. Das ist sehr schwierig. Hier ist alles tipptopp – aber man muss von null anfangen.”

“In der Schweiz hat man keine Ahnung vom Leben in Syrien. Viele Leute meinen, die Verhältnisse seien wie in Saudi Arabien, aber nein, bei uns fahren die Frauen Auto, sie studieren und müssen kein Kopftuch tragen. Aber die Frauen haben nicht so viele Rechte. Auch dagegen habe ich mit meinen Filmen angekämpft.”

“Früher war ich beruflich öfters in Europa und ich habe jährlich meine Schwester in der Schweiz besucht. Aber als ich als Flüchtling hierher kam, war die erste Zeit eine Katastrophe. Inzwischen habe ich die B-Bewilligung, meine Tochter aber nur die F-Bewilligung bekommen. So hat sie keine Garantie und kann auch nicht ihre Schwester in Deutschland besuchen. Das ist doch nicht normal.”

“Wie müssen hier kämpfen. Wir haben intensiv Deutsch gelernt. Nach drei Jahren hat die Tochter nun eine Lehrstelle als Verkäuferin gefunden. Diese drei Jahre waren sehr schwierig, aber wir schätzen es, hier in Freiheit und Frieden leben zu können. Das ist gut aber nicht einfach, besonders für eine Frau in meinem Alter.”

“Anfänglich habe ich versucht, in meinem Beruf eine Arbeit zu finden, ich habe viele Anstrengungen unternommen und viele Stellen kontaktiert. Aber ich habe keine Chance. Jetzt würde ich auch irgendetwas anderes arbeiten, aber ich habe noch nichts gefunden. So engagiere ich mich zurzeit an verschiedenen Orten als Freiwillige, vor allem im Bereich Integration. Drei Jahre sozialabhängig zu sein ist wirklich genug. Ich könnte auch als Verkäuferin arbeiten, zum Beispiel in einem Hotel mit arabischer Kundschaft.”

“Im Unterschied zu anderen Flüchtlings- oder Migrantengruppen integrieren sich die SyrerInnen sehr gut. Ich zum Beispiel habe hier kaum syrische Freunde, aber viele Schweizer Freunde.”

“Ich habe viele Träume, aber mein grösster Wunsch ist, meine Mutter und meinen Bruder nochmals zu sehen. Ich kann jetzt zwar reisen, meine Mutter kann das Land aber nicht verlassen. Sehr gerne würde ich meiner Mutter zeigen wo ich jetzt lebe. Aber das geht nicht. Vielleicht stirbt meine Mutter, bevor ich sie nochmals gesehen habe.”

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notiert von Peter Käser
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