Tilak

Tilak - Journalist, Künstler, Fabrikarbeiter, Flüchtling aus Sri Lanka in Diepoldsau

aus Sri Lanka in Oberriet/SG

“Ich bin mit fünf Brüdern und drei Schwestern in einem Dorf aufgewachsen. Mein Vater ist Geschäftsmann und die Mutter Hausfrau. Wir gehören zur Bevölkerungsmehrheit der Singhalesen. Meine Familie war schon immer politisch engagiert. So bin auch ich schon als Jugendlicher in die linke Oppositionspartei eingetreten. Unsere Regierung war schon immer schlecht, z.B. wegen Korruption, Vetternwirtschaft und der Unterdrückung der Tamilen.”

“1989 bin ich für das Studium in die Hauptstadt Colombo gegangen. Ich habe Philosophie, politische Wissenschaft und Soziologie studiert. Nach dem Studium habe ich während 17 Jahren als Journalist bei einer oppositionellen singhalesischen Wochenzeitung gearbeitet. Da habe ich viel gegen den Krieg geschrieben. Das hat mir Probleme von Seiten der Regierung eingebracht.”

“2009 hat mich ein Militärvertreter angerufen und gesagt, dass ich nur noch drei Tage leben werde. Da bin ich sofort untergetaucht. Von der Schweizer Botschaft habe ich ein Visum bekommen und so konnte ich in die Schweiz ausreisen und mich damit in Sicherheit bringen. Zwei Monate später ist meine Frau mit den beiden 11-jährigen Kindern nachgereist.”

“Wir waren 8 Monate im Asylheim Thurhof in Oberbüren/SG. Das war eine schwierige Zeit, denn wir hatten nichts zu tun und keine Perspektive. Danach kamen wir nach Oberriet/SG. Hier konnten meine Frau und ich täglich einen Deutschkurs besuchen. Unsere Kinder konnten in die Schule gehen. Jetzt machen sie eine Lehre als Informatiker und als Kauffrau.”

“Ich habe mehr als hundert Bewerbungen verschickt. Das war eine schwierige Zeit. Dann habe ich endlich eine Stelle gefunden und meine Frau auch. So arbeite ich nun seit vier Jahren in dieser Firma. Ich würde hier auch gerne als Journalist arbeiten, aber wegen der Sprache geht das nicht. Wie haben nun aber das Projekt #refujournalist.”

“Unsere Regierung ist sehr rassistisch gegen die Tamilen im Land. Wir hatten 30 Jahre einen Bürgerkrieg. In diesem Krieg sind ca. 70’000 Tamilen gestorben. Alle Menschen sind doch gleichwertig. Es darf doch nicht sein, dass eine Ethnie unterdrückt wird, wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Kultur – alles sind doch Menschen.”

“In der Schweiz war mir alles fremd, die Kultur, das Wetter, die Sprache – das war eine grosse Herausforderung.”

“Ich könnte schon in der Schweiz bleiben, aber ich will zurück, um mich für die Verbesserung der  Situation in meinem Land einzusetzen. Ich hoffe, dass dies in etwa vier Jahren möglich ist. Auch meine Frau will zurück, die Kinder vermutlich nicht. Sie können sich hier gut integrieren.”

“Als ich hier arbeitslos war, habe ich begonnen zu malen und Skulpturen zu machen. Ich habe das nicht gelernt, sondern einfach damit begonnen. Ich male meine Geschichte. Meine Geschichte ist auch die Geschichte von meinem Land. Die Kunst ist einfach für mich, aber sie kann nicht die Welt verändern.”

“In meinem Land gehörte ich als Singhalese zur Mehrheit, war aber wegen meiner politischen Haltung ein Aussenseiter. So fällt es mir auch leicht, hier in der Schweiz ein Aussenseiter zu sein. So ist es einfach für mich, hier zu leben. Aber ich möchte nicht hier bleiben. Seit 2009 ist zwar der Bürgerkrieg zu Ende, aber es gibt keine Demokratie und keine Gerechtigkeit. Mein Traum ist, nach Sri Lanka zurück zu kehren und dort mitzuhelfen, das politische System zu verändern und Demokratie und Gerechtigkeit einzuführen.”

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notiert von Peter Käser

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