Willemijn

Willemijn - Holänderin mit Simbawe-Erfahrung in der Schweiz.

aus Holland in St. Gallen

“Neben meinen beiden Brüdern habe ich noch zwei Adobtivgeschwister, einem Bruder aus Kolumbien und einer Schwester aus Südkorea. Für mich war das eine sehr schöne Erfahrung, in einer multikulturellen Familie aufzuwachsen. Mir war es immer auch ganz wichtig zu betonen, dass die beiden auch meine Geschwister sind.”

“Seit meiner Kindheit habe ich von den Bergen geträumt – obwohl ich nie in den Bergen war. Nach meiner Physiotherapeutenausbildung habe ich die Chance gepackt und mich in der Schweiz beworben. Anfänglich wollte ich nur für ein Jahr bleiben, aber dann bin ich hier hängen geblieben.
Jedes Wochenende in die Berge zu gehen, war jeweils wie Ferien. Was schwieriger war, war der Umgang mit den Leuten. Sie waren zwar immer sehr nett und freundlich, aber nicht so offen und spontan, wie ich es gewohnt war. Es braucht lange, bis ich mit jemandem in näheren Kontakt treten könnte.”

“Vor drei Jahren bin ich mit meinem Mann und den beiden Kindern für drei Jahre nach Simbabwe gegangen, wo wir in einem Missionsspital gearbeitet haben. Da machte ich nochmals die Erfahrung, Ausländerin zu sein. Es war sehr bereichernd, zu erleben, wie die Menschen auf der anderen Seite der Welt leben. Bei der Rückkehr in die Schweiz fühlten wir uns wieder etwas als Ausländer und mussten uns an die Schweizer Mentalität gewöhnen. Was uns dabei besonders aufgefallen und schwer gefallen ist, sind die vielen vielen Regeln und dass das Leben hier viel schneller geht und den Druck, den man spürt und dass man allgemein viel weniger Zeit hat. Was wir hier vermissen, sind die aufgestellten Menschen, die trotz ihrer sehr schwierigen Situation das Lachen nie vergessen. Andererseits hat man hier immer Strom und Wasser und kann immer einkaufen gehen.”

“Für unsere Kinder war es weniger schwierig, sich in Afrika einzuleben, als jetzt wieder hier in der Schweiz, denn sie haben die simbabwesische Kultur richtig in die Seele aufgenommen. Hier fallen sie zwar nicht mehr auf, fühlen sich aber doch irgendwie fremd und müssen Vieles lernen.”

“Ich finde es schön, wenn man sich in verschiedenen Kulturen bewegen kann, sich auf andere Kulturen einstellen kann und daraus lernen kann. Das ist eine grosse Lebensschule. Man muss offen sein, gut zuhören können, kritisch gegenüber sich selber sein, die anderen respektieren, aber das Eigene nicht ganz aufgeben, sondern authentisch bleiben.”

“Die Schweizer könnten von den Holländern lernen, spontaner, offener und entspannter zu sein und sich mehr Zeit für Begegnungen zu nehmen. Und: keine Angst haben vor dem Anderssein und vor jemandem, der anders ist.”

“Wenn ich jeweils Heimweh nach Holland habe, höre ich gerne holländische Musik. Ausserdem pflege ich noch gerne die Kontakte zu meiner Familie und meinen Freunden in Holland. Wenn ich in Holland bin, merke ich, dass ich nicht mehr ganz Holländerin bin. Auch Holland hat sich in den 16 Jahren meiner Abwesenheit verändert. Meine Heimat ist jetzt in der Schweiz.”

Mein Traum ist, dass man überall auf der Welt in Frieden leben kann.”

“Ein weiterer Traum ist, dass wir später nochmals in einem anderen Land einen Arbeitseinsatz machen können und nochmals in eine andere Kultur eintauchen können.”

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notiert von Peter Käser

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