Yousef

Yousef, Kriegsreporter aus Palästina, Praktikant in St. Gallen

aus Palästina in St. Gallen

“Ich bin in Palästina mit zwei Brüdern und zwei Schwestern bei meinen Eltern aufgewachsen.
Meinen ersten Film machte ich als Jugendlicher über die Zerstörung unseres Hauses durch Bulldozer der israelischen Armee.”

“Meine Vorfahren lebten in Ramla, in der Mitte von Palästina. 1948, als der Staat Israel gegründet wurde, wurden aber alle Palästinenser von dort vertrieben. Seither leben sie mit 1.5 Millionen anderen unter UNRWA-Regime im Gaza-Streifen. In Syrien, Jordanien und Libanon leben weitere 3 Millionen Palästinenser als Flüchtlinge. Sie alle träumen davon, in die Heimat zurück zu gehen. Seit Jahrzehnten leben wir unter israelischer Besatzung. Deshalb ist unsere Situation ganz schwierig.”

“Nach der Schule habe ich Medienwissenschaft studiert. In dieser Zeit habe ich auch Kurse als Kameramann und als Reporter absolviert.”

“Mein Vorbild ist mein Vater, er bedeutet mir alles. Ich habe von ihm so viele Sachen gelernt. Er findet, dass man jeden Tag etwas Neues lernen und auf ein klares Ziel hin arbeiten müsse. Mein Vater ist mein bester Freund. Ich vermisse ihn sehr. So telefoniere ich beinahe jeden Tag mit ihm. Er hat mich bei all meinen Schritten beraten. Er sagt seine Meinung ganz klar und er hatte immer total recht.”

“Als ich im Gymnasium war, war in Palästina Krieg. Unser Haus war etwa 500m von einer umkämpften Grenze entfernt. Da wurde ich nebenamtlicher Radioreporter. Immer wieder berichtete ich von den Vorkommnissen an der Grenze, wie viele Tote es gab und so weiter. Nach dem Gymnasium habe ich neben dem Studium in Medienwissenschaft für das ZDF (Deutsches Fernsehen) gearbeitet, zuerst als Praktikant, später als Kameramann und Editor. Es war mir wichtig, darüber zu berichten, was in meiner Heimat Schreckliches geschieht. Dann hat mir das syrische Fernsehen einen Reporterjob angeboten, zuerst im Gazastreifen, dann in der Zentrale in Damaskus/Syrien. Dort konnte ich auch einen Masterstudiengang beginnen. Aber 2011 begann dort die Revolution. Trotzdem blieb ich noch eineinhalb Jahre. Aber meine Familie hatte grosse Angst um mich. So bin ich in den Gazastreifen zurückgekehrt und habe weiter für das syrische Fernsehen gearbeitet. Aber nun begann mein politisches Problem, denn ich wurde von gewissen palästinensischen Organisationen bezichtigt, für das syrische Assad-Regime zu arbeiten. Aber ich war einfach ein Reporter, der über die aktuellen Vorkommnisse berichtete. Wegen dieser Probleme bin ich wieder nach Damaskus zurückgekehrt. Sicherheit gab es aber weder in Palästina, noch in Syrien. Schliesslich entschied ich mich, ein Schutzland zu suchen und bin deshalb über die Türkei in die Schweiz gekommen.”

“Für mich ist die Schweiz ein gutes Land, um in Ruhe und Sicherheit zu leben. Ich habe gelernt, dass die Schweiz über ganz lange Zeit keinen Krieg gemacht hat. Das fand ich sehr interessant, denn mit meinen 28 Jahren habe ich schon drei Kriege und eine Revolution erlebt.”

“Die Menschen hier sind ganz freundlich. Am Anfang habe ich einen Kulturschock erlebt. Ich war auch ganz alleine. Am Anfang war ich nicht sicher, ob ich es schaffe, hier zu leben. Jetzt habe ich schon ein paar Schweizerfreunde. Auch habe ich sehr gute, hilfsbereite Nachbarn. Ganz grosse Hilfe habe ich auch vom HEKS bekommen. Sie halfen mir bei der Anerkennung meines Bachelors und bei der Suche nach einem Praktikum in einer Video-Produktionsfirma.”

“Anfänglich wollte ich auch hier in der Schweiz gleich als Kameramann arbeiten. Es brauchte einige Monate, bis ich akzeptieren konnte, dass das nicht geht und dass ich trotz meiner zehn Jahre Berufserfahrung wieder mit einem Praktikum beginnen muss. Nach dem Praktikum würde ich sehr gerne bei der visua Media AG bleiben, denn ich bin sehr begeistert von der Arbeit und den Leuten hier.”

“Früher habe ich als Kriegsreporter unter viel Stress und wenig Freizeit viele schlimme Situationen gefilmt. Und jetzt machen wir unter besten Arbeitsbedingungen Image- u. Werbefilme.”

“Es gibt kein Glück, sondern nur Chancen. Und es geht darum, diese zu sehen und zu nutzen.”

“Seit meiner Kindheit ist mein Wunsch, ein international erfolgreicher Regisseur zu werden. Auf dieses Ziel hin arbeite ich. Ich habe grosse Geduld.”

“Wenn im Nahen Osten Frieden einkehren würde, wüsste ich nicht, wohin ich ziehen würde – nach Ramla, der Stadt meiner Vorfahren, nach Gazastreifen, wo ich aufgewachsen bin oder nach Damaskus, wo ich ein paar Jahre gelebt habe.”

“Dort wo ich meine Familie und einen guten Arbeitsplatz habe ist meine Heimat. Meine Familie ist leider nicht hier. Deshalb möchte ich jetzt hier eine Familie gründen.”

“Ich liebe die Schweizer Kultur. Ich möchte hier gerne eine positive Rolle spielen.”

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notiert von Peter Käser

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